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1. Tag
Fahrt von Deutschland nach Basel. Übernachtung.
2. Tag Basel und Biel
Goethe und der junge Herzog von Weimar ritten im Oktober 1779 mit sechs Begleitern in Basel ein. Sie logierten im Gasthof "Drei Könige" am Rheinufer. Goethe kannte Basel, seine Sehenswürdigkeiten und Persönlichkeiten von seiner ersten Schweizerreise 1775. Nun werden Bekanntschaften erneuert, und man lässt sich beraten über die bevorstehende Reise.
Nachmittag: Fahrt nach Biel. Auf dem Wege nach Biel ritten wir das schöne Birstal herauf und kamen endlich an den engen Pass. der hierher (Moutier) führt. Durch den Rücken einer hohen und breiten Gebirgskette hat die Birs, ein mässiger Fluss, sich einen Weg von uralters gesucht. Das Bedürfnis mag nachher durch ihre Schluchten ängstlich nachgeklettert sein. Die Römer erweiterten schon den Weg (wahrscheinlich Anspielung auf die Pierre Pertuis), und nun ist er sehr beguem durchgeführt. Das über Felsstücke rauschende Wasser und der Weg gehen nebeneinander hin und machen an den meisten Orten die ganze Breite des Passes, der auf beiden Seiten von Felsen beschlossen ist, die ein gemächlich aufgehobenes Auge fassen kann... Bald rund. bald spitz. bald bewachsen. bald nackt. sind die Firsten der Felsen. wo oft noch oben drüber ein einzelner Kopf kahl und kühn herüber sieht. und an Wänden und in der Tiefe schmiegen sich ausgewitterte Klüfte hinein.
In Biel hat Goethe in der "Krone" an der Obergasse übernachtet. Das Haus besteht noch, dient jedoch nicht mehr als Hotel. Eine Gedenktafel erinnert an Goethes Besuch.
Stadtrundgang und Übernachtung in Ipsach bei Biel.
3. Tag Lausanne
Wie Goethe machen wir einen Ausflug mit dem Schiff zur Petersinsel, wohin Rousseau sich begab, als er von Genf weggetrieben wurde. Die Insel gehört dem Hospital zu Bern und der Schaffner und seine Frau, die die Wirtschaft selbst führen, sind noch eben dieselben die Rousseau bewirteten.
Wir folgen Goethe nun nicht in die Berner Bergwelt, sondern fahren gleich nach Süden in die welsche Schweiz über Neuchâtel und Yverdon nach Lausanne. Besichtigung der Stadt und Übernachtung in Lausanne am Genfer See.
22.10.79 Nach Lausanne. Wir kamen gegen Mittag hier an und sahen den Genfer See, den Meister von allen Seen, die wir bisher gesehen haben. wovon doch ieder sein eignes hat. Lausanne liegt allerliebst. ist aber ein leidig Nest. Lusthäuser sind umher von trefflichen Aussichten. auch Spaziergänge. Wir gingen Nachmittag Spazieren und sahen uns satt.
4.Tag Rolle
Wir fahren heute nach Süden. Dabei kommen wir auch durch Rolle. 23.10.79. Jeder Tag ist so schön. dass man glaubt. er sey schöner als der Vorhergehende. Wir fuhren nach Veway, ich konnte mich der Tränen nicht enthalten. wenn ich nach Melleraye hinüber sahe und den Dent de Chamant und die ganzen Plätze vor mir hatte, die der ewig einsame Rousseau mit empfindenden Wesen bevölkerte.
24.10.79 Der heutige Tag war wieder sehr glücklich... wir kamen nach eilf auf Rolle. Der See war unendlich schön, die Gegend die la Côte heißt, ist fast vom See an bis hoch an die Berge hinauf mit Reben bepflanzt, mit unzähligen Häusern besetzt und ist jetzt voll von Menschen, es geht mit der Weinlese zu Ende.
Auf den Spuren Goethes machen wir von Nyon aus einen Ausflug zur Dôle in das Juragebirge. In diesem Gebiet, das die besten Weine der Schweiz hervorbringt, besuchen wir eine Weinkellerei und probieren den köstlichen Wein.
26.10.79 Da wir hörten. dass die Dôle, der höchste Gipfel des Jura. nicht weit von dem obern Ende des Tals liege, da das Wetter sich auf das herrlichste anließ und wir hoffen konnten, was uns gestern noch gefehlt, heute vom Glück alles zu erlangen. so wurde dahin zu gehen beschlossen. Wir packten einem Boten Käse, Butter. Brot und Wein auf und ritten gegen achte ab... Wir kamen bald auf die neue Strasse, die aus dem Pays de Vaud nach Paris führt: wir folgten ihr eine Weile abwärts und waren nunmehr von unserm Tale geschieden: der kahle Gipfel des Dôle lag vor uns, wir stiegen ab, unsre Pferde zogen auf der Strasse voraus nach Saint-Cergue, und wir stiegen die Dôle hinan... Wir kamen mit Sonnenuntergang auf die Ruinen des Fort de St. Cergue. Auch höher am Tal waren unsre Augen nur auf die Eisgebirge gegenüber gerichtet. Die letzten. links im Oberland. schienen in einem leichten Feuerdampf aufzuschmelzen: die nächsten standen noch mit wohl bestimmten roten Seiten gegen uns, nach und nach wurden jene weiß, grün, graulich. Es sah fast ängstlich aus... Die Pferde fanden wir in St. Cergue, und dass nichts fehle, stieg der Mond auf und leuchtete uns nach
Nyon. Übernachtung in Genf.
5.Tag Genf
Ganztägige Besichtigung von Genf mit dem Palast der Nationen. Wie anderswo suchte Goethe auch hier den Umgang mit angesehenen Bürgern, besuchte ihre Landsitze und Sammlungen, der Herzog ließ sich porträtieren. Die Stadt selbst macht mir einen fatalen Eindruck. Mit Ausnahme von Bern fand keine Schweizer Stadt Gnade vor Goethes Augen, er hatte keinen Sinn für deren noch mittelalterliches Ambiente. Hier und auf der ganzen Reise ward soviel von der Merkwürdigkeit der Savoyer Eisgebirge gesprochen. und wie wir nach Genf kamen. hörten wir, es werde immer mehr Mode dieselben zu sehen, dass der Graf (der Herzog) eine sonderliche Lust kriegte, unsern Weg dahin zu leiten... Der berühmte Professor und Erforscher des Hochgebirges, Horace Benedict de Saussure, wird um Rat gefragt. Er versicherte. dass man ohne Bedenken den Weg machen könne: es liege auf den mittlern Bergen noch kein Schnee, und wenn wir in der Folge aufs Wetter und auf den guten Rat der Landleute achten wollten, der niemals fehlschlage, so könnten wir mit aller Sicherheit diese Reise unternehmen.
6.Tag Cluses, Chamonix und Martigny
Wir folgen Goethe und fahren über Cluses und Chamonix (Frankreich) zurück ins schweizerische Martigny. Übernachtung in Martigny. Besuch der damals berühmten, in einer Felswand in der Nähe von Cluses gelegenen Balmhöhle, die nur mit Hilfe von Leitern und Stricken mühselig und leidig zu erklimmen war. Im Wagen bis Sallanches, von hier zu Fuß weiter, da der Weg nach Chamonix nicht kutschengängig war. Es wurde dunkler, wir kamen dem Tale Chamonix näher und endlich darein. Nur die großen Massen waren uns sichtbar. Die Sterne gingen nacheinander auf, und wir bemerkten über den Gipfeln der Berge, rechts von uns ein Licht, das wir nicht erklären konnten. Hell, ohne Glanz wie die Milchstrasse. doch dichter, fast wie die Pleiaden. nur größer, unterhielt es lange unsere Aufmerksamkeit, bis es endlich, da wir unsern Standpunkt änderten, wie ein Pyramide, von einem innern geheimnisvollen Lichte durchzogen, das dem Schein eines Johanniswurms am besten verglichen werden kann, über den Gipfeln aller Berge hervorragte und uns gewiss machte, dass es der Gipfel des Montblanc war...
Bis wir endlich gegen sechse hier in Martigny auf flachem Wallisboden angekommen sind. wo wir uns zu weitern Unternehmungen ausruhen wollen.
7.Tag St.Maurice
Wir fahren in einem Tagesausflug nach St.Maurice. Übernachtung in
Martigny.
7. November 1779: Zu Fuss talabwärts, nach St-Maurice, den Pferden entgegen. Wir kamen dahin. wo der Trientstrom um enge und gerade Felsenwände herum in das Tal dringt dass man zweifelhaft ist, ob er nicht unter den Felsen hervor komme... Wir wussten, dass wir uns dem berühmten Wasserfall der Pissevache näherten. und wünschten einen Sonnenblick. wozu uns die wechselnden Wolken einige Hoffnung machten... Endlich traten wir vor den Wasserfall. der seinen Ruhm vor vielen andern verdient. In ziemlicher Höhe schießt aus einer Felskluft ein starker Bach flammend herunter in ein Becken, wo er in Staub und Schaum sich weit und breit imWind herumtreibt.. Wir kletterten dran herum, setzten uns dabei nieder und wünschten ganze Tage und gute Stunden des Lebens dabei zubringen zu können. Auch hier wieder, wie so oft auf dieser Reise, fühlten wir, dass grosse Gegenstände im Vorübergehen gar nicht empfunden und genossen werden können.
Für Goethe ist St-Maurice ein Fleckchen. wo man tagelang sitzen, zeichnen, herumschleichen, und ohne müde zu werden sich mit sich selbst unterhalten könnte. Wenn ich jemanden einen Weg ins Wallis raten sollte. so wär' es dieser vom Genfersee die Rhône herauf. Er bewundert die Burg und die Brücke in der Talenge, steigt zur kleinen Kirche Notre Dame du Scex in der Felswand hinauf, dann reitet die Gruppe nach Martigny zurück.
8.Tag Sitten und Brig
Wir fahren über Sion und Siders wieder zurück in die deutschsprachige Schweiz. Übernachtet wird in
Brig. Goethes Reisegruppe reitet auf dem linken Rhôneufer gegen Sion (Sitten), findet die Brücke abgebrochen, muss zurück und über Brücken, die sehr bös, schwankend, lang und von falschen Klüppeln zusammengesetzt sind. Wir mussten einzeln unsere Pferde, nicht ohne Sorge darüber führen. Dafür entschädigte die Landschaft, die eines Gemäldes wert gewesen wäre. Von einem Schloss zeigt sich Goethe eine der schönsten Aussichten, die er auf dem ganzen Weg gesehen hat. Die ganze Breite des Wallis von Berg zu Berg lag bequem anzusehen unter uns: die Rhône kam mit ihren mannigfaltigen Krümmen und Buschwerken bei Dörfern, Wiesen und angebauten Hügeln vorbeigeflossen: in der Entfernung sah man die Burg von Sion und die verschiedenen Hügel. die sich dahinter zu erheben anfingen: die letzte Gegend ward wie mit einem Amphitheaterbogen durch eine Reihe von Schneegebirgen geschlossen, die wie das übrige Ganze von der hohen Mittagsonne erleuchtet standen. Weniger gefällt Goethe die Stadt Sitten, die ein widriges schwarzes Ansehn hat, sodass er noch am selben Abend mit dem Herzog nach Sierre (Siders) weitermarschiert. Dass er nicht wenigstens die Burg Tourbillon besichtigt hat, bereut er später.
Über Brig: Wir haben ein ganz artiges Wirtshaus und, was uns zu großem Vergnügen dient, in einer geräumigen Stube ein Kamin angetroffen: wir sitzen am Feuer und machen Ratschläge wegen unserer weiteren Reise.
9. Tag
Rückfahrt nach Deutschland |